SoldatInnen werben an Göttinger Schulen

Trotz zahlreicher Proteste wirbt die Bundeswehr auch an Göttinger Schulen um Nachwuchs. Das Militär stellt den Kontakt in die Schulen meist über sog. Jugendoffiziere her, die die SchülerInnen z.B. in “Sicherheitspolitik”  unterrichten oder als Spielleitung die Simulation Pol&IS durchführen.

flickr.com/photos/linksuntengoe

In manchen Fällen kommen sogar KarriereberaterInnen mit ihrem Material an die Schulen, z.B. bei der jährlichen Vorstellung akademischer Berufen des Rotary Clubs an einer der Göttinger Gymnasien. Daneben wirbt die Bundeswehr auch außerhalb der Schulgebäude gezielt bei SchülerInnen. So versucht das Militär mit einem großen Messestand jährlich beim Göttinger Berufsinformationstag (GöBit) zu rekrutieren, der nach kontinuierlichen Protesten an der BBS 2 seit 2018 in der Lokhalle stattfindet.  Auch bei der Berufsmesse Vocatium oder der “Nacht der Bewerber” stellt sich die Bundeswehr gegenüber SchülerInnen als “normaler” Arbeitgeber dar.

Minderjährige RekrutInnen

Bei ihren Werbeeinsätzen versuchen die SoldatInnen gezielt auch minderjährige Menschen für das Kriegshandwerk zu gewinnen. 2017 wurden 2.128 unter 18-jährige im Kriegshandwerk ausgebildet (s. Schattenbericht Kindersoldaten). Mehrfach wurde die Bundesregierung für diese Praxis von den Vereinten Nationen angemahnt.

Nachwuchsprobleme der Bundeswehr

Die Bundeswehr ist mit dem Aussetzen der Wehrpflicht faktisch eine reine Freiwilligen-Armee geworden. Die Wehrmotivation in der Gesellschaft aber schwindet mit jedem weiteren Auslandseinsatz und heimkehrenden Zinksarg. Jedes Jahr benötigt die Bundeswehr zehntausende neue RekrutInnen. Um einigermaßen auswählen zu können sollen sich jährlich 95.000 junge Menschen bewerben – doch der Dienst an der Waffe ist unpopulär.

Durch Werbung mit einer vermeintlich hochwertigen Ausbildung als Zeit- oder BerufssoldatIn, Prämien bei Auslandseinsätzen und einem todsicheren Arbeitsplatz versucht die Bundeswehr diesem Trend entgegen zu wirken.

Aufwändig inszenierte Militärrituale wie öffentliche Gelöbnisse und Trauerfeiern, gigantische Werbekampagnen und nicht zuletzt die zahlreichen Werbeauftritte von “Karriereberatern” und “Jugendoffizieren” an unseren Schulen sollen militärische Denkmuster und Verhaltensweisen zum selbstverständlichen Bestandteil unseres Alltags machen.

Widerstand gegen die Militarisierung von Bildung

Wo junge Menschen am realen Schießsimulator üben und in einem professionellen Planspiel (Pol&IS) der Bundeswehr militärische Konfliktlösung als normal erleben und Atomwaffen einsetzen können, kann von einer verantwortungsvollen Erziehung zu internationaler Verständigung und Frieden (UNESCO) keine Rede sein.

Es gibt inzwischen in der Bundesrepublik zahlreiche Beispiele dafür, dass SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern sich gegen die Präsenz der Bundeswehr in ihrer Schule wehren. Einige Schulen haben sich sogar per Konferenzbeschluss als “militärfrei” erklärt. Das Robert-Blum-Gymnasium in Berlin und die Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach a.M. haben für diese klare Positionierung im Jahr 2013 den Aachener Friedenspreis erhalten.

Welche Göttinger Schule erklärt sich als erste für “militärfrei”?